Musizieren mit möglichst viel Freude und Spaß.


Ich möchte es schaffen, dass meine Schüler beim Klavier Spielen möglichst viel Freude haben.

Warum?

Am 6. April 2009 stand im Focus im Artikel "Entdecken Sie Ihr Talent":
"Kinder müssen allerdings Freude an der Tätigkeit finden.
Ohne Spaß ist keines bereit, täglich mehrere Stunden Schachzüge zu üben oder Tonleitern zu spielen ...
Die Erkenntnis der Talentforscher ist eindeutig: Wichtig sind die Vorlieben. Nur mit Spaß ist das nötige Arbeitspensum zu leisten ... "

GEO 11/November 2001:
S. 167 "Besser Lernen – Über die Kunst, bei Kindern dauerhafte Wissensnetze zu knüpfen"

S. 172: Auch nach dem Stand der modernen Neurobiologie spielt ein Belohnungssystem,
und zwar ein HIRNEIGENES, eine entscheidende Rolle für das Lernen ... Der Nucleus accumbens ist ein wichtiges Lustzentrum.
Vom Tegmentum angestiftet, signalisiert er anderen Hirnteilen: "Das macht Spaß!"
Sei es, dass der Mensch gerade beim Fußball ein Tor schießt, sei es, dass er die Lösung einer Mathematikaufgabe begreift, sei es, dass er Drogen genommen hat.
Und wenn etwas Spaß macht, dann wird es gelernt und immer wieder angestrebt.

Dr. Daniela Sammler, Neurowissenschaftlerin am Leipziger Max-Planck-Institut:
Musik macht glücklich (Serotonin wird ausgeschüttet),
senkt die Stresshormone im Blut,
trainiert das Gedächtnis und
stärkt die Konzentration.

Ich frage mich nur, ob das auch passiert beim Üben von Stücken, die man nicht mag oder gar hasst.
Der Umkehrschluss wäre meines Erachtens:
Musik, die man nicht mag, macht folglicherweise unglücklich, erhöht die Stresshormone im Blut,
und macht unkonzentriert.

Auf alle Fälle möchte ich, dass meine Schüler beim Musizieren viel Freude haben.
Leider gibt es keinen Status quo der Freude. Leider. Die Freude braucht immer neues, anderes Futter.

(Ganz was anderes ist es natürlich, wenn jemand beabsichtigt, Musik zu studieren.
Dann muss er möglichst viel vom Spektrum Musik kennen lernen,
muss viele Stücke studieren, die ihm vielleicht nicht sooo gefallen,
aber sonst wird er nicht konkurrenzfähig.)


Dann möchte ich, dass meine Schüler sehr gut musizieren.


Und ich möchte, dass meine Schüler durch das Klavier Spielen etwas lernen, was ihnen auch in der Schule oder im Beruf von Nutzen sein kann:

- Lernen kann Spaß machen.

- Wenn ich etwas oft wiederhole, dann wird es immer besser.

- Wenn ich vorspiele, trainiere ich meine Nerven, lerne, mit Aufregung umzugehen.

- Wenn ich Klavier spiele, wird mein Gedächtnis besser.
(Mein Schüler Ralph kam als Erwachsener wieder, um weiterhin Klavierunterricht zu nehmen, in den großen Konzerten mitzuspielen und um seine Nerven, sein Gedächtnis und seine Disziplin für seine Prüfungen zu trainieren.)

- Wenn ich jeden Tag nur einige wenige Minuten komponiere, arrangiere, mir etwas ausdenke, dann wird jedes Stück fertig (nulla dies sine linea).

- Wenn ich mit anderen musiziere, dann trainiere ich mein Reaktionsvermögen und - in Neudeutsch - meine soziale Kompetenz.
Dann klingelt das Telefon: "Xaver, magste nicht mitspielen?! Wir bräuchten dringendst einen Klavierspieler!"

Das miteinander Musizieren auf zwei Klavieren ist mir sehr wichtig.

Deswegen stehen in meinem Musikatelier immer 2 Klaviere und viele Tasteninstrumente.
Deswegen stehen in unseren Konzerten immer 2 Klaviere auf der Bühne.

Miteinander zu musizieren heißt:
Auf den anderen zu hören,
zu lernen, blitzschnell zu reagieren,
heißt, Fehler durch den Vergleich leichter zu erkennen,
heißt: Freude, Spaß, Gaudi - auch ein bisschen lustvolles Konkurrieren,
heißt: gemeinsam Energie zu entwickeln,
heißt in Konzerten: einander vertrauen, sich blitzschnell gegenseitig helfen, eisern weiter zu spielen, wenn der andere rausfliegt.

Leider war mir in früheren Jahren die Leistung wichtiger als die Freude.
Das war falsch!
Ich hab's noch rechtzeitig gecheckt.
Verzeihung, Kids von damals!

Ich habe gelernt, dass ICH permanent an MIR arbeiten muss als Mensch und Musiker, dass ich täglich meine Batterie aufladen muss, damit wir, der Schüler und ich, unsere Ziele erreichen.

Meine Schüler spielen das, was ihnen Freude bereitet.

Ich suche dafür Stücke und Wege.
Die Suche ist meine Hausaufgabe.
Und viel Arbeit.
Nicht immer schaffe ich es, Musik und Weg zu finden, aber schon sehr oft.

Dafür komponiere ich sehr oft neue Klavierstücke nach den Wünschen des Schülers, arrangiere vorhandene Kompositionen leichter oder schwerer.

Der Schüler kann seine Kompositionen auf CD einspielen, die er dann jemanden schenken kann.
Das motiviert uns alle.
Ab und zu nehmen wir ein Youtube-Video auf.
Und – was mir sehr viel Spaß macht – ich entwickle Musik-Baukästen, Farbnoten-Baukästen, setze Trommeln, Glockenspiele, Perkussion, White-Board-Noten-Tafeln, Magnetnoten und vieles andere ein, um den Unterricht lustig, farbig, aber auch effektiv zu gestalten, und um die Konzentration durch einige Wechsel wach zu halten.
Klar, mancher Schüler setzt sich konzentriert ans Klavier, und ab geht die Post mit einem schweren Klavierstück.

Gedanken zum Spielen nach Noten

Manche Schüler tun sich schwer, Noten zu lesen.
Deswegen arbeite ich - auch und möglichst nur übergangsweise oder parallel zur normalen Notation – mit anderen Notationsmöglichkeiten und Hilfsmitteln:

  • Farbsystem: die Noten sind farbig und hinter den Tasten stehen Farbstreifen, die die Lage der Note auf der Tastatur angeben

  • Alpha Notes: In den Notenköpfen stehen die Notennamen

  • „Klaviatur“: Eine Pappendeckel-Klaviatur wird hinter die gesamte Tastatur geklemmt und zeigt in Violin- und Bass-Schlüssel die Noten und darunter die dazugehörigen Tasten

  • Video: Ich spiele das Stück, filme Hände und Finger und gebe dem Schüler eine CD mit dem Video mit nach Hause.

    Das beste Notationssystem ist sicherlich das ganz normale, konventionelle.

    Viele Schüler, die die normale Notation kaum lesen konnten oder können,
    spielen Farb- und Alpha-Noten perfekt vom Blatt, lernen damit schwierige Stücke.
    Warum das so ist, weiß ich nicht.
    Ich selber hatte auch als Kind nie Probleme mit dem Lesen von Noten und lese auch Partituren mit Schlüsseln und Transpositionen.
    Farbige Noten und Alpha Notes kann ich selber kaum lesen.
    Aber ich bin ja nur der Koch - schmecken muss es meinen Schülern.

    Beim Farb- und Alpha-Notes-System arbeite ich mit dem professionellen Notenschreibprogramm „Finale“.


    Erkennen des Musiker-Typs

    Ich versuche zu erkennen, ob ein Schüler

  • ein Notenlesetyp
  • ein Auswendigspieler
  • ein Improvisator ist.

    Dann versuche ich, ihm zu helfen, seine spezifische Fähigkeit weiter zu entwickeln.

    Einen Auswendigspieler würde ich nie dazu zwingen, dauernd vom Blatt zu spielen.
    Es reicht, wenn er sich die Noten irgendwie „reinziehen“ kann.
    Mein Ex- und Ab- und An-Schüler Ralph Pauli zum Beispiel liest Noten nur sehr langsam und eher weniger gut.
    Aber: er hat sich trotzdem Dutzende von Einaudi-und Tiersen-Stücken gelernt,
    und spielt sie auswendig und perfekt in Konzerten.

    Die größten Rampen-“Säue“ auf der Bühne sind die Auswendigspieler oder – sänger.
    Blattspieler sind auf der Bühne stinklangweilig.
    Blattleser sind aber sehr gute Teammusiker und können ihre Stücke alleine lernen
    Der Improvisator muss sowieso seinen eigenen Weg gehen.

    Ich habe als Komponist und musikalischer Leiter fünf Jahre am Münchner Nationaltheater gearbeitet,
    fast zwanzig Jahre am Landestheater in Landshut und einigen anderen Theatern,
    hatte viele Gruppen mit Top-Profis: Meine Lehre aus der Zusammenarbeit mit so vielen exzellenten Kollegen:
    Es gibt so viele - auch verrückte - Wege, Musik zu erlernen, zu lehren und zu musizieren,
    dass ich es für vermessen, wenn nicht sogar für dumm halte, zu glauben,
    es gäbe nur den einen einzigen "Königs"-Weg.


    Nicht wenige meiner Schüler sind Berufsmusiker geworden:

    Michael Emanuel Bauer, Donato Deliano, Eckart Löhr, Christiane Öttl, Daniel G. Otto, Christof Schmid, Florian Willeitner.
    Wenn jemand diesen Weg gehen will, dann arbeiten wir natürlich sehr intensiv auf Prüfungen und diesen Weg hin.
    Meinen damaligen Schüler Michael Emanuel Bauer hab ich als Co-Komponisten und Assistenten in meine Münchner Gruppen, einige Jahre ins Landestheater Landshut, in die Münchner Studios des Bayerischen Rundfunks mitgenommen.
    Jetzt gehört er zu den gefragtesten deutschen Bühnenkomponisten.

    Mein verstorbener Nachbar Hias, ein Krüppel auf Krücken, weil er als Zimmerer vom Gerüst viel, sagte, wenn ich wieder irgend etwas Verrücktes gebaut haben wollte (z.B. eine furchtbar breite dimmbare Klavierlampe für die Tournee): „Alles geht! Nur der Frosch hüpft!“

    Das probier ich auch in meinem Unterricht.





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