Obwohl ich Dr. phil. Martin Kramers Didaktikphilosophie erst im Januar 2026 kennenlernte,
glaube ich, dass ich mich schon seit langer Zeit auf diesem Didaktikpfad bewege:
Jetzt weiter in meinem eigenen Text:
Ich möchte es schaffen, dass meine Schüler beim Klavier Spielen möglichst viel Freude haben.
Warum?
Am 6. April 2009 stand im Focus im Artikel "Entdecken Sie Ihr Talent":
"Kinder müssen allerdings Freude an der Tätigkeit finden.
Ohne Spaß ist keines bereit, täglich ... Schachzüge zu üben oder Tonleitern zu spielen ...
Die Erkenntnis der Talentforscher ist eindeutig: Wichtig sind die Vorlieben. Nur mit Spaß ist das nötige Arbeitspensum zu leisten ... "
GEO 11/November 2001:
S. 167 "Besser Lernen – Über die Kunst, bei Kindern dauerhafte Wissensnetze zu knüpfen"
S. 172: Auch nach dem Stand der modernen Neurobiologie spielt ein Belohnungssystem,
und zwar ein HIRNEIGENES, eine entscheidende Rolle für das Lernen ... Der Nucleus accumbens ist ein wichtiges Lustzentrum.
Vom Tegmentum angestiftet, signalisiert er anderen Hirnteilen: "Das macht Spaß!"
Sei es, dass der Mensch gerade beim Fußball ein Tor schießt, sei es, dass er die Lösung einer Mathematikaufgabe begreift ...
Und wenn etwas Spaß macht, dann wird es gelernt und immer wieder angestrebt.
Dr. Daniela Sammler, Neurowissenschaftlerin am Leipziger Max-Planck-Institut:
Musik macht glücklich (Serotonin wird ausgeschüttet),
senkt die Stresshormone im Blut,
trainiert das Gedächtnis und
stärkt die Konzentration.
Ich frage mich nur, ob das auch passiert beim Üben von Stücken, die man nicht mag oder gar hasst.
Der Umkehrschluss wäre meines Erachtens:
Musik, die man nicht mag, macht folglicherweise unglücklich, erhöht die Stresshormone im Blut,
und macht unkonzentriert.
Auf alle Fälle möchte ich, dass meine Schüler beim Musizieren viel Freude haben.
Leider gibt es keinen Status quo der Freude. Leider. Die Freude braucht immer neues, anderes Futter.
(Ganz was anderes ist es natürlich, wenn jemand beabsichtigt, Musik zu studieren.
Dann muss er möglichst viel vom Spektrum Musik kennen lernen,
muss viele Stücke studieren, die ihm vielleicht nicht sooo gefallen,
aber sonst wird er nicht konkurrenzfähig.)
Dann möchte ich, dass meine Schüler sehr gut musizieren.
Und ich möchte, dass meine Schüler durch das Klavier Spielen etwas lernen, was ihnen auch in der Schule oder im Beruf von Nutzen sein kann:
- Lernen kann Spaß machen.
- Wenn ich etwas oft wiederhole, dann wird es immer besser.
- Wenn ich vorspiele, trainiere ich meine Nerven, lerne, mit Aufregung umzugehen.
(Die Erfahrung lehrte mich, für einige wenige ist das öffentliche Vorspielen
motivierend, für die meisten allerdings demotivierend.
Deswegen muss niemand bei mir in öffentlichen Konzerten mitspielen.)
- Wenn ich Klavier spiele, wird mein Gedächtnis besser.
(Mein Schüler Ralph kam als Erwachsener wieder, um weiterhin Klavierunterricht zu nehmen, in den großen Konzerten mitzuspielen und um seine Nerven, sein Gedächtnis und seine Disziplin für seine Prüfungen zu trainieren.)
- Wenn ich jeden Tag nur einige wenige Minuten komponiere, arrangiere, mir etwas ausdenke, dann wird jedes Stück fertig (nulla dies sine linea).
- Wenn ich mit anderen musiziere, dann trainiere ich mein Reaktionsvermögen und - in Neudeutsch - meine soziale Kompetenz.
Dann klingelt das Telefon: "Xaver, magste nicht mitspielen?! Wir bräuchten dringendst einen Klavierspieler!"
Das miteinander Musizieren auf zwei Klavieren ist mir sehr wichtig.
Deswegen stehen in meinem Musikatelier immer 2 Klaviere und viele Tasteninstrumente.
Deswegen stehen in unseren Konzerten immer 2 Klaviere auf der Bühne.
Miteinander zu musizieren heißt:
Auf den anderen zu hören,
zu lernen, blitzschnell zu reagieren,
heißt, Fehler durch den Vergleich leichter zu erkennen,
heißt: Freude, Spaß, Gaudi - auch ein bisschen lustvolles Konkurrieren,
heißt: gemeinsam Energie zu entwickeln,
heißt in Konzerten: einander vertrauen, sich blitzschnell gegenseitig helfen, eisern weiter zu spielen, wenn der andere rausfliegt.
Leider war mir in früheren Jahren die Leistung wichtiger als die Freude.
Das war falsch!
Ich hab's noch rechtzeitig gecheckt.
Verzeihung, Kids von damals!
Ich habe gelernt, dass ICH permanent an MIR arbeiten muss als Mensch und Musiker, dass ich täglich meine Batterie aufladen muss, damit wir, der Schüler und ich, unsere Ziele erreichen.
Meine Schüler spielen das, was ihnen Freude bereitet.
Ich suche dafür Stücke und Wege.
Die Suche ist meine Hausaufgabe.
Und viel Arbeit.
Nicht immer schaffe ich es, Musik und Weg zu finden, aber schon sehr oft.
Dafür komponiere ich sehr oft neue Klavierstücke nach den Wünschen des Schülers, arrangiere vorhandene Kompositionen leichter oder schwerer.
Der Schüler kann seine Kompositionen auf CD einspielen, die er dann jemanden schenken kann.
Das motiviert uns alle.
Ab und zu nehmen wir ein Youtube-Video auf.
Und – was mir sehr viel Spaß macht – ich entwickle Musik-Baukästen, Farbnoten-Baukästen, setze Trommeln, Glockenspiele, Perkussion, White-Board-Noten-Tafeln, Magnetnoten und vieles andere ein, um den Unterricht lustig, farbig, aber auch effektiv zu gestalten, und um die Konzentration durch einige Wechsel wach zu halten.
Klar, mancher Schüler setzt sich konzentriert ans Klavier, und ab geht die Post mit einem schweren Klavierstück.
Gedanken zum Spielen nach Noten
Manche Schüler tun sich schwer, Noten zu lesen.
Deswegen arbeite ich - auch und möglichst nur übergangsweise oder parallel zur normalen Notation – mit anderen Notationsmöglichkeiten und Hilfsmitteln:
Ich versuche zu erkennen, ob ein Schüler